Warum Frauen am Arbeitsplatz überproportional von Burnout betroffen sind
Nach einer Auswertung des Anbieters Lyra Southern Africa mit 67.419 dokumentierten Fällen aus Employee Wellness Programmen (EWP) zwischen Januar 2025 und Juni 2026 entfallen 65 Prozent der…

Steigende Belastung, klare Häufung bei weiblichen Beschäftigten
Nach einer Auswertung des Anbieters Lyra Southern Africa mit 67.419 dokumentierten Fällen aus Employee Wellness Programmen (EWP) zwischen Januar 2025 und Juni 2026 entfallen 65 Prozent der Inanspruchnahme auf Frauen – das entspricht 41.099 erfassten psychischen Belastungen, im Schnitt 75 Fälle pro Arbeitstag. Die Datenbasis stammt aus Südafrika, ist methodisch aber als großer Referenzpunkt für jede EWP-Auswertung international relevant.
Stress verdrängt klassische Diagnosen
Der Anteil stressbezogener Vorstellungen bei Frauen ist im Beobachtungszeitraum von 44,1 Prozent im dritten Quartal 2025 auf 48,3 Prozent im zweiten Quartal 2026 gestiegen. Lyra prognostiziert bis Ende 2027 einen Wert von 51,8 Prozent. In der Analyse heißt es, Mental Health bleibe das größte Anfragefeld, Stress treibe jedoch einen wachsenden Anteil davon – weg von klassischen klinischen Diagnosen, hin zu Belastungen aus Arbeits-, Finanz- und Care-Kontexten.
Die Streuung über alle neun untersuchten Sektoren ist eng: Frauen stellen in jedem Sektor die Mehrheit der Fälle, von 53,2 Prozent in der Industrie bis 76,9 Prozent im Gesundheitswesen. Der Finanzsektor summierte 13.949 Fälle, der öffentliche Sektor 11.187.
Hebel für BGM-Verantwortliche
Drei Kennzahlen verdienen Aufmerksamkeit im eigenen Reporting:
- Anteil stressbezogener Vorstellungen am gesamten EWP-Volumen, quartalsweise getrackt
- Gender-Split bei den Verweispfaden – Selbstzuweisung liegt laut Lyra bei 94,3 Prozent aller weiblichen Fälle, während 68 Prozent der formalen HR- und Vorgesetztenverweise und 83 Prozent der assistierten klinischen Überweisungen auf Frauen entfallen
- Kriseninterventionen, deren Anteil bei Frauen von 53,8 auf 58,8 Prozent gestiegen ist
Ein zweiter Befund betrifft die Führungsebene: 43 Prozent der weiblichen Executives berichten von Burnout, verglichen mit 31 Prozent der männlichen Kollegen. Stress ist damit nicht auf einzelne Hierarchieebenen begrenzt.
Für die unternehmerische Argumentation gegenüber Geschäftsführung und Controlling liefert die Lyra-Auswertung eine belastbare Referenzgröße. Mobile Massage und niedrigschwellige Achtsamkeitsangebote im Betrieb haben einen messbaren Inanspruchnahme-Output – skalierbar werden sie aber erst, wenn HR Frühindikatoren, Verweispfade und Krisenfälle sauber getrennt auswertet. Sonst bleibt das Wellness-Budget eine Fürsorge-Geste statt ein Steuerungshebel.