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Psychische Belastung im Hotelgewerbe: Fehlzeiten haben sich verdreifacht

Laut Daten der AOK Rheinland/Hamburg hat sich der Anteil psychischer Erkrankungen an den Arbeitsunfähigkeitstagen in der Hotellerie innerhalb eines Jahrzehnts verdreifacht.

Kilian Dornbusch, BGM-Berater und Experte für betriebliche Prävention · aktualisiert 16. August 2026

Psychische Belastung im Hotelgewerbe: Fehlzeiten haben sich verdreifacht

Im Jahr 2025 entfielen 15,9 Prozent der Fehlzeiten auf psychische Diagnosen – vor zehn Jahren waren es 4,7 Prozent. Damit haben psychische Erkrankungen die Atemwegsleiden (15,0 Prozent) als zweithäufigste Ursache abgelöst. Führend bleiben Muskel-Skelett-Erkrankungen mit 19,4 Prozent. Für jeden Hotelbetrieb ist das eine Kostenfrage, kein Stimmungsbild.

Wo die Kurve geknickt ist

Der Gesamtkrankenstand in der Hotellerie hat sich dabei weniger dramatisch bewegt. 2025 lag er im Rheinland bei 5,9 Prozent, in Nordrhein-Westfalen bei 5,7 Prozent, der Bundesdurchschnitt über alle Branchen bei 5,2 Prozent. Gegenüber 2024 (6,1 Prozent) ist das sogar ein Rückgang. Die Fehlzeiten sind also nicht insgesamt gestiegen, sondern haben sich verschoben: weg von kurzen Infekten, hin zu längeren Ausfällen mit psychischer Beteiligung. Das wiegt betriebswirtschaftlich schwerer, weil psychische Diagnosen im Schnitt deutlich höhere Ausfalltage pro Fall verursachen als respiratorische Erkrankungen.

Drei Hebel mit messbarem ROI

Fachleute für psychische Gesundheit nennen als typische Vorboten steigende Personalfluktuation, vermehrte Kurzkrankmeldungen und Präsentismus – also das Erscheinen am Arbeitsplatz trotz Beschwerden. Genau diese Signale sind im Gastgewerbe mit Schichtdienst, Saisonlast und Personalknappheit schwer zu erkennen, aber messbar, wenn HR die Fehlzeiten regelmäßig nach Diagnosegruppen auswertet. Skalierbar sind aus BGM-Sicht vor allem drei Maßnahmen:

  • Strukturierte Check-ins zwischen Führungskraft und Team, kurz, regelmäßig und nicht als Therapieersatz, sondern als Frühwarnsystem.
  • Klare Erreichbarkeitsregeln, verbindlich dokumentiert – etwa ein E-Mail-Stopp nach 18 Uhr, begründet in Erholungszeiten, nicht in Komfort.
  • Niedrigschwellige, buchbare Entlastungsangebote im Betrieb: ergonomische Arbeitsplätze, mobile Massage als kurzfristig nutzbare Einheit, Pausenräume mit Funktion statt Symbolik.

Der Unterschied zwischen BGM und Wohlfühl-Geste liegt in der Auslastung. Ein Wellness-Angebot, das niemand bucht, kostet pro Stunde und bleibt ohne ROI. Ein Zeitfenster für mobile Massage, das Beschäftigte selbständig reservieren, lässt sich pro genutzter Einheit gegen die Kosten eines vermiedenen Ausfalltags rechnen.

Worauf Entscheider jetzt schauen sollten

Wer in der Hotellerie Verantwortung trägt, muss nicht auf neue Studien warten. Drei Punkte reichen für eine erste Standortbestimmung: Wie verteilen sich die eigenen Fehlzeiten nach Diagnosegruppen? Liegt der Anteil psychischer Diagnosen über zehn Prozent, ist strukturelles Handeln angesagt, nicht ein einzelner Wellnesstag. Welche Maßnahmen werden tatsächlich genutzt, und welche stehen nur auf dem Papier? Und: Wo liegen die Schwellen, ab denen Führungskräfte eingreifen, bevor Kurzkrankmeldungen und Fluktuation es tun? Alles, was nicht in einen Kalender passt und nicht gemessen wird, bleibt Dekoration.