Psychische Gesundheit im Team: Warum Führungskräfte der entscheidende Faktor sind
Führungskräfte als Stellhebel im BGM…

Laut einem BBC-Bericht tragen Vorgesetzte mehr Verantwortung für die psychische Gesundheit ihrer Belegschaft, als vielen Betrieben bewusst ist. Die Mental-Health-Expertin Emily Pearson, seit 27 Jahren in dem Feld tätig, verweist auf Zahlen des britischen Office for National Statistics: Fast 9 Prozent der arbeitsbedingten Erkrankungen im Jahr 2025 gingen demnach auf Stress zurück. Für HR und Geschäftsleitung ist das kein weiches Thema, sondern eine harte Kennzahl im Krankenstand – und damit ein direkter Hebel im betrieblichen Gesundheitsmanagement.
Was die BBC-Analyse konkret fordert
Pearson benennt drei operative Punkte, die in jedes mittelständische BGM passen: Problem erkennen, Daten analysieren und einer konkreten Person Befugnis sowie Verantwortlichkeit für die Lösung geben. Vorgesetzte bräuchten demnach die Kompetenz zu verstehen, welche Rolle sie selbst als Stressoren spielen – von der Arbeitslast bis zum ungeklärten Konflikt. Mental-Health-Verantwortliche müssten auf Augenhöhe mit der Geschäftsleitung sitzen, sonst bleibe jede Initiative Stückwerk. Ihre Erfahrungen bündelt Pearson in dem Buch "Solving a CEO's Blind Spot: Human Sustainability".
Breiterer Konsens in der Fachpresse
Dass das Thema längst nicht mehr nur in Großbritannien diskutiert wird, zeigen parallele Veröffentlichungen. The Staff Canteen berichtet über die besondere Belastung von Hospitality-Führungskräften, die selbst zur Risikogruppe werden. HR News bündelt die Debatte unter dem Titel "Managers Under Pressure". Aus Malaysia kommt laut Bernama die Forderung, im Budget 2027 steuerliche Anreize für Arbeitssicherheit und mentales Wohlbefinden zu verankern. Das Muster ist überall identisch: psychische Gesundheit wandert aus der HR-Nische in die Vorstandsagenda.
Was BGM-Verantwortliche jetzt prüfen sollten
- Wird im eigenen Reporting der Anteil stressbedingter Ausfallzeiten separat erfasst – oder geht er in der allgemeinen Krankheitsquote unter?
- Gibt es auf Vorstands- oder Geschäftsführungsebene eine klar verantwortliche Rolle für mentale Gesundheit, vergleichbar mit der Fachkraft für Arbeitssicherheit?
- Welche bestehenden Module – von mobiler Massage am Arbeitsplatz bis zur Ergonomie-Beratung – sind tatsächlich messbar in die Fürsorgepflicht integriert, und welche laufen als bloßes Perk-Programm nebenher?
Wer diese drei Fragen sauber beantworten kann, behandelt psychische Gesundheit nicht länger als Compliance-Pflicht, sondern als skalierbaren BGM-Baustein mit klarer Kosten-Nutzen-Rechnung. Wer sie schuldig bleibt, findet die Rechnung früher oder später im Krankenstand wieder.