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Betriebliches Gesundheitsmanagement: Neue PHKA-Zertifikate für Bewegung am Arbeitsplatz

Nach Angaben des Informationsdienst Wissenschaft startet die Pädagogische Hochschule Karlsruhe zwei neue Weiterbildungsangebote zu Bewegung und Gesundheit im Arbeitskontext.

Kilian Dornbusch, BGM-Berater und Experte für betriebliche Prävention · aktualisiert 21. August 2026

Betriebliches Gesundheitsmanagement: Neue PHKA-Zertifikate für Bewegung am Arbeitsplatz

Eines davon ist das Hochschulzertifikat „Bewegung und Gesundheit im Kontext Arbeit“ und richtet sich unter anderem an Fachkräfte im betrieblichen Gesundheitsmanagement. Für Unternehmen ist die Nachricht vor allem deshalb relevant, weil Gesundheitsförderung damit stärker als qualifikationsgebundene Managementaufgabe und weniger als Einzelmaßnahme betrachtet wird.

Zwei Formate mit unterschiedlicher Flughöhe

Die PHKA kündigt die Angebote „Gesundheitsförderung am Arbeitsplatz mit und durch Bewegung“ sowie „Bewegung und Gesundheit im Kontext Arbeit“ an. Beide richten sich an Personen, die Bewegung und Gesundheit in den beruflichen Kontext einordnen wollen.

Das Hochschulzertifikat spricht laut Informationsdienst Wissenschaft insbesondere Fachkräfte im betrieblichen Gesundheitsmanagement an. Damit liegt der Schwerpunkt nicht allein auf der Durchführung einzelner Bewegungsangebote. Entscheidend ist vielmehr, wie Bewegung in betriebliche Gesundheitsförderung und bestehende Organisationsstrukturen eingebunden werden kann.

Für Arbeitgeber ist diese Unterscheidung relevant. Ein Kurs, ein Gesundheitstag oder eine mobile Massage kann kurzfristig Aufmerksamkeit erzeugen. Der betriebliche Nutzen hängt jedoch davon ab, ob solche Maßnahmen in ein belastbares Gesamtkonzept passen. Dazu gehören klare Zuständigkeiten, eine realistische Zielgruppe und eine Prüfung, welche Stressoren und Belastungen im Unternehmen tatsächlich bestehen.

Was die Meldung für das BGM bedeutet

Haufe berichtet unter Berufung auf eine quantitative Studie der FOM Hochschule und der Barmer, dass die Corona-Pandemie das betriebliche Gesundheitsmanagement nachhaltig gestärkt habe. Gesundheit werde zunehmend als strategischer Erfolgsfaktor in Unternehmen verankert.

Die beiden PHKA-Angebote passen zu dieser Entwicklung. Sie adressieren nicht nur Beschäftigte, die an einzelnen Präventionsmaßnahmen teilnehmen. Im Mittelpunkt stehen auch Personen, die Gesundheitsförderung im Unternehmen planen oder verantworten. Für HR-Abteilungen und BGM-Verantwortliche verschiebt sich damit die zentrale Frage: Nicht „Welche Maßnahme können wir anbieten?“, sondern „Wie lässt sich die Maßnahme in die Arbeitsorganisation integrieren?“

Für die Praxis sollten Unternehmen bei externen Dienstleistern und internen Programmen deshalb mindestens folgende Punkte prüfen:

  • Wird die Maßnahme an konkrete Arbeitsbedingungen und Belastungen angepasst?
  • Ist klar, wer die Umsetzung und Evaluation verantwortet?
  • Lässt sich das Angebot in vorhandene BGM-Prozesse integrieren?
  • Werden Reichweite, Teilnahme und Akzeptanz nachvollziehbar dokumentiert?
  • Ist der erwartete Nutzen im Verhältnis zu Aufwand und Kosten plausibel?

Diese Kriterien gelten auch für Wellness-Dienstleistungen im Unternehmensumfeld. Eine professionelle Anwendung kann ein Baustein der Gesundheitsförderung sein. Sie ersetzt jedoch keine systematische Analyse der Arbeitsbedingungen und keinen strukturierten BGM-Prozess.

Was Unternehmen jetzt prüfen sollten

Die Nachricht ist kein Beleg dafür, dass Bewegungsangebote automatisch den Krankenstand senken oder einen bestimmten ROI erzeugen. Dazu enthalten die vorliegenden Angaben keine Ergebnisse. Sie zeigen aber, dass Bewegung und Gesundheit im Arbeitskontext als eigenes Weiterbildungsfeld behandelt werden.

Für Arbeitgeber ist daher zunächst die interne Ausgangslage entscheidend. Gibt es bereits eine verantwortliche Person im BGM? Werden Maßnahmen nur punktuell für Events gebucht oder dauerhaft geplant? Und können externe Anbieter ihre Leistung in ein bestehendes Konzept einordnen?

Wer Weiterbildungsangebote oder Dienstleister bewertet, sollte außerdem auf die Anschlussfähigkeit achten. Ein Format, das ausschließlich einzelne Übungen vermittelt, ist für die Unternehmenssteuerung anders zu bewerten als eine Qualifikation mit Bezug zur betrieblichen Gesundheitsförderung. Die PHKA-Meldung liefert hierzu einen konkreten Anlass, aber noch keine vollständige Bewertung der Inhalte oder des wirtschaftlichen Nutzens.

Das nüchterne Fazit: Die neuen PHKA-Angebote stärken die Professionalisierung des Themenfelds. Für Unternehmen entsteht daraus nicht automatisch ein Business Case. Der lässt sich erst beurteilen, wenn Ziel, Umsetzung, Messgrößen und Kosten der jeweiligen Gesundheitsmaßnahme klar definiert sind.