Psychische Gesundheit im Job: Warum Wellbeing-Kampagnen oft wirkungslos bleiben
55 Prozent der PR- und Kommunikationsprofis im MENA-Raum erleben laut dem PRCA MENA Mental Health Report 2026 Stress, Angst oder Überforderung häufig oder dauerhaft.

Der auf der PRCA MENA Conference in Dubai vorgestellte Bericht zeigt zugleich, dass die Lücke zwischen psychischem Wohlbefinden als Thema und gelebter Unterstützung im Arbeitsalltag weiter wächst. Für HR-Verantwortliche und Geschäftsführungen ist das die zentrale Steuerungsfrage: Wissen ist da, Wirkung nicht.
Kennzahlen und ihre Widersprüche
41 Prozent der Befragten berichten Burnout in derselben Frequenz. Gleichzeitig stieg der Anteil derjenigen, die sich selbst als gut informiert zum Thema mentale Gesundheit bezeichnen, von 66 Prozent im Jahr 2024 auf 76 Prozent im Jahr 2026. Während das Bewusstsein wächst, sinkt das Vertrauen in organisationale Unterstützung: Nur noch 58 Prozent fühlen sich vollständig oder überwiegend vom Arbeitgeber getragen, 2024 waren es noch 71 Prozent. 93 Prozent fällt es schwer, beruflich von Nachrichten und tagesaktuellen Themen abzuschalten. 63 Prozent sehen globale und regionale Ereignisse als zusätzlichen Stressor. PRCA-MENA-Leiter Conrad Egbert formuliert es so: Wer Burnout verstehe, aber nicht abschalten, die Arbeitslast steuern oder sich erholen könne, dem helfe keine weitere Wellbeing-Kampagne.
Was Beschäftigte konkret einfordern
Die Antworten sind messbar und direkt in BGM-Portfolios übersetzbar:
- 46 Prozent fordern Verbesserungen am Arbeitsumfeld.
- 41 Prozent verlangen Arbeitslastmanagement zur Burnout-Prävention.
- 37 Prozent wünschen Zugang zu psychologischen Fachpersonen.
Das ist eine Einkaufsliste, kein Wellness-Wunschkonzert. Ergonomie, skalierbare Massageangebote am Arbeitsplatz, klare Verfügbarkeitsregeln und externe Anlaufstellen sind die Hebel, die hier tatsächlich wirken.
Was HR jetzt prüfen sollte
Drei Punkte stehen auf der Tagesordnung, unabhängig von Branche und Region. Erstens, Unterstützungsgrad messen: Wird die eigene Belegschaft ähnlich befragt, oder fehlen belastbare Zahlen zur Wirksamkeit bisheriger Maßnahmen? Zweitens, Angebote auf Skalierbarkeit prüfen: Welche BGM-Bausteine sind heute verfügbar, wenn 50 oder 200 Mitarbeitende gleichzeitig Bedarf anmelden? Drittens, Kosten-Nutzen-Verhältnis berechnen: Jeder Prozentpunkt Krankenstandsreduktion ist ein direkter ROI-Posten. Mobile Massage, ergonomische Beratung und systematische Stressprävention lassen sich hier klar beziffern.
Kosten-Nutzen-Fazit: Klassische Awareness-Formate haben ihren ROI verloren. Was zählt, sind belastbare Strukturen: Arbeitslast, Erholungszeiten und messbare Unterstützung. Für Verantwortliche bedeutet das weniger Kampagne, mehr Architektur.