Warum internationale Teams gezielte Gesundheitsangebote statt Einheitslösungen brauchen
Die Daten wurden über das Fachmedium Workplace Wellbeing Professional veröffentlicht.

Die britische Employee-Benefits-Beratung Everywhen hat in einer neuen Erhebung 87 Prozent der befragten Arbeitgeber identifiziert, die bei Beschäftigten im Ausland einen zusätzlichen Unterstützungsbedarf sehen. Für deutsche Unternehmen mit internationaler Belegschaft ist das mehr als ein UK-Trend – es ist ein Indikator dafür, dass bestehende BGM-Strukturen die globale Mitarbeiterrealität häufig nicht abdecken. Die Daten wurden über das Fachmedium Workplace Wellbeing Professional veröffentlicht.
Wo der Bedarf tatsächlich liegt
Die Rangfolge ist eindeutig:
- Psychische Gesundheit: 49 Prozent
- Finanzielle Gesundheit: 47 Prozent
- Körperliche Gesundheit: 46 Prozent
- Soziale Gesundheit: 45 Prozent
Nur 9 Prozent der Arbeitgeber halten zusätzliche Maßnahmen für nicht erforderlich, 4 Prozent sind unentschieden. Psychische Gesundheit steht damit nicht symbolisch an der Spitze, sondern als konkret benannter Risikofaktor – knapp jeder zweite Arbeitgeber mit Auslandspersonal sieht hier eine Lücke.
Die Lücke im eigenen Benefit-Design
48 Prozent der Unternehmen bieten ihren Beschäftigten im Ausland die gleichen Gesundheits- und Wellbeing-Leistungen wie der Heimatbelegschaft. Operativ bequem, fachlich riskant: kulturelle Unterschiede, Sprachbarrieren und je nach Land variierende Pflichtleistungen machen eine 1:1-Übertragung in der Regel unzureichend. In einigen Märkten ist psychische Gesundheit weiterhin tabuisiert oder der Begriff existiert sprachlich nicht – Zugang und Vertraulichkeit werden damit zum entscheidenden Skalierungsfaktor, nicht die Programmbreite.
Was HR und BGM jetzt prüfen sollten
Drei Punkte, die sich aus den Daten ableiten lassen:
- Bedarfsdifferenzierung statt Einheitsmodell. Anforderungen variieren nicht nur zwischen Inlands- und Auslandsmitarbeitern, sondern auch zwischen Zielmärkten. Ohne lokale Anpassung zahlt das Unternehmen entweder zu viel oder zu wenig.
- Pflichtleistungen prüfen, bevor ergänzt wird. In vielen Ländern greifen staatliche Systeme oder lokale Versorgungspflichten. Expat-typische Überkompensation frisst das BGM-Budget, ohne Krankenstand oder Retention messbar zu verbessern.
- Zugang vor Programm. Vertraulichkeit und einfache Erreichbarkeit schlagen App-Portfolio und Workshop-Stunden. In Märkten mit Mental-Health-Tabu entscheidet der Diskretionsgrad des Angebots, ob es überhaupt genutzt wird.
Kosten-Nutzen-Fazit
Die Everywhen-Erhebung macht den ROI-Hebel sichtbar: 87 Prozent erkennen Bedarf, fast die Hälfte liefert identische Pakete wie am Heimatmarkt. Wer differenziert – nicht zwangsläufig teurer, sondern passgenauer –, reduziert Stressoren am Standort, stabilisiert Krankenstände in volatilen Märkten und vermeidet teure Doppelstrukturen. Mobile Massage und flexible Onsite-Formate können ein Baustein im internationalen Setup sein, kein Ersatz für ein strukturiertes globales BGM-Konzept. Der erste Schritt ist die Bedarfsmessung pro Land – nicht die Budgetaufstockung im Inland.