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Menopause am Arbeitsplatz: Warum der neue ISO-Standard für Unternehmen zählt

Parallel rückt das Thema über US-Fachmedien wie Employee Benefit News stärker in die betriebswirtschaftliche Diskussion.

Kilian Dornbusch, BGM-Berater und Experte für betriebliche Prävention · aktualisiert 12. September 2026

Menopause am Arbeitsplatz: Warum der neue ISO-Standard für Unternehmen zählt

Menopause im Betrieb: Wenn ein Tabu zur Kennzahl wird

Die Internationale Organisation für Normung hat mit ISO 45010 einen neuen Standard für Arbeits- und Gesundheitsschutz veröffentlicht, der Arbeitgebern praxisnahe Leitlinien gibt, um Beschäftigte bei Menstruation und Menopause im Betrieb gezielt zu unterstützen. Parallel rückt das Thema über US-Fachmedien wie Employee Benefit News stärker in die betriebswirtschaftliche Diskussion. Für BGM-Verantwortliche in Deutschland verschiebt sich die Frage damit aus der Sphäre des Sozialen in die Sphäre messbarer Fehlzeiten und Steuerungskennzahlen.

ISO 45010 als Rahmen, nicht als Antwort

ISO 45010 ist als Ergänzung bestehender Managementsysteme für Arbeits- und Gesundheitsschutz angelegt. Ziel ist es, das Wohlbefinden am Arbeitsplatz zu verbessern und Fehlzeiten präventiv zu senken. Konkret heißt das: Aufnahme menopausaler und menstruationsbedingter Belastungen in die Gefährdungsbeurteilung, Schulung von Führungskräften, Anpassung von Arbeitsbedingungen sowie ein niedrigschwelliger Zugang zu arbeitsmedizinischer Beratung.

Entscheidend ist nicht der Standard an sich, sondern seine Übersetzung in konkrete HR- und BGM-Prozesse. Bleibt das Dokument ein zertifiziertes PDF ohne Verknüpfung zum Kennzahlenboard, wird es die Personalarbeit nicht verändern.

Vom US-Diskurs zu deutschen Bausteinen

Das US-Portal Employee Benefit News greift das Thema unter dem Titel "Benefits Think Menopause in the workplace: A business and healthcare priority" auf. Im Beitrag wird der Fall einer leitenden Mitarbeiterin geschildert, die eine Präsentation vor rund 100 Kolleginnen und Kollegen trotz akuter Hitzewallung durchzog – ein typischer Beleg für die Diskrepanz zwischen sichtbarer Leistungsfähigkeit und nicht sichtbarer gesundheitlicher Belastung. Dr. Natasha Parekh, Senior Vice President of Clinical Services bei Marathon Health, verweist in dem Beitrag auf klinische Strategien als Hebel für eine ganzheitliche Primärversorgung im Betrieb.

Für deutsche Unternehmen ergeben sich daraus vier prüfbare Stellschrauben:

  • Aufnahme menopausaler und menstruationsbedingter Belastungen in die reguläre Gefährdungsbeurteilung, inklusive Raumtemperatur, Lüftung und Erreichbarkeit von Rückzugsräumen.
  • Schulung der Führungskräfte in arbeitsmedizinischen Basisthe­men – nicht in Wellness-Rhetorik.
  • Klare Regelung für flexible Arbeitszeitmodelle und Home-Office-Tage in akuten Phasen.
  • Ausbau mobiler Massage- und physiotherapeutischer Angebote als skalierbare, niedrigschwellige Präventionsleistung für betroffene Beschäftigte.

PROSPERH und die Frage nach dem ROI

Parallel treibt die EU mit dem Projekt PROSPERH evidenzbasierte Interventionen zur Förderung physischer und psychischer Gesundheit am Arbeitsplatz voran. Arbeitgeber aus elf Ländern sind eingeladen, sich an Programmen zu beteiligen, die besonders Branchen mit hohen Belastungen und Remote-Work-Umgebungen adressieren. Für die ROI-Rechnung bedeutet das: Mit ISO 45010, dem wachsenden Fachdiskurs und dem EU-Rahmen existieren erstmals belastbare Referenzpunkte. Der Nutzen wird sich jedoch nicht in der Teilnahme an Symposien entscheiden, sondern in der konsequenten Übersetzung in Kennzahlen – Krankenstandstage, Fluktuationsquote und Produktivitätsverluste – die heute nur selten sauber auf einzelne Ursachencluster heruntergebrochen werden.